Ruralgemeinden

Die nächste Reform fand 1818 statt, als die Steuerdistrikte aufgehoben und statt derer Gemeinden gebildet wurden. König Max I. Josef und seine Regierung wollten die Menschen auf dem Lande an der Regelung örtlicher Angelegenheiten maßgeblich beteiligen und ihnen damit Verantwortung für das öffentliche Wohl übertragen. Die Städter besaßen diese Rechte schon seit dem Mittelalter.

Die bayerische Gemeindeordnung von 1818, damals die modernste in Deutschland, wies den Ruralgemeinden gewisse Aufgaben ausdrücklich zu, nämlich die Pflege der Gemeindestraßen, die Anschaffung von Feuer-löschgeräten, den Unterhalt der Bader und Hebammen und die Bereitstellung von Quartieren für Soldaten. Außerdem mussten Sie, besonders in Kriegs-zeiten, Nachschub für das Militär bereitstellen. Zur Instandsetzung der Straßen und Wege und im Winter zum Schneeschaufeln wurden die Leute zum Scharwerken (Schabern) verpflichtet. Gemeindearbeiter zu beschäftigen war seinerzeit undenkbar.Die Gemeinden setzten sich aus sog. Gemeindemitgliedern zusammen, und zwar nur aus Männern, die in der Gemeinde Grund und Boden besaßen oder ein Gewerbe betrieben und die Steuern abführten. Aber wer diese Voraussetzung erfüllte, war noch nicht automatisch Gemeindemitglied.  Die Gemeinde Adlkofen verlangte darüber hinaus noch eine Aufnahmegebühr von beträchtlicher Höhe. Es kam aber vor, dass junge Bauern zwar den elterlichen Hof übernahmen, aber diese Gebühr nicht bezahlten. Sie wurden manchmal erst nach Jahren ernstlich ermahnt.

Frauen, Austragler und Männer, die keine Steuern bezahlten, galten nicht als Gemeindemitglieder. Die Bezeichnung Bürger gab es damals  für Leute auf dem Lande nicht, weshalb sie ursprünglich auch keinen Bürgermeister wählen konnten, sondern einen Gemeindevorsteher.

Der Gemeindevorsteher und die sog. Bevollmächtigten - später Gemeinderäte genannt -  wurden  in Adlkofen anfangs auf dem Platz vor der Kirche unter freiem Himmel von den Gemeindegliedern gewählt, weil bis 1829 im Dorf kein Wirtshaus zur Verfügung stand.

Dass es anfangs noch kein Versammlungslokal gab, war jedoch nicht das Hauptproblem, sondern die Tatsache, dass die meisten Wähler weder lesen und noch viel weniger schreiben konnten. Sie unterzeichneten mit 3 Kreuzen. Deshalb trat jeder vor und gab mündlich beim Lehrer Dorsch zu Protokoll, wen er wählen wollte. Von den ersten Wahlen sind keine Aufzeichnungen überliefert. Sicher ist nur, dass Caspar Dorsch der erste Gemeindevorsteher gewesen ist. Die Wahlperiode dauerte 3 Jahre.

Die Gemeindereform 1818 wurde in unglaublich kurzer Zeit  durchgesetzt. Am 17. Mai erschien das Gesetz, am 17. Juni erhielt der Landshuter Landrichter Pölzl von der Regierung den Befehl, binnen 10 Tagen ein Konzept für die Bildung der Gemeinden im Bezirk des Landgerichts vorzulegen, was er tatsächlich pünktlich erledigte. Der Gemeinde Adlkofen wies er ein Gebiet zu, das bis 1971 nicht verändert werden musste. 1)

Widersprüche wurden ziemlich ungnädig abgewiesen. So erging es dem Grafen von Seyboldsdorf mit seiner Forderung, sein Dorf Günzkofen solle den Status einer Gemeinde erhalten. Die Regierung lehnte dies mit der Begründung ab, dass man mit 8 Familien, die damals seinem Gericht unterstanden, keine politische Gemeinde bilden könne. So kam ein  Patrimonialgericht zur sog. landgerichtischen Gemeinde Adlkofen, was man sonst aus  staatsrechtlichen Gründen vermied.

1) Sebastian Hiereter,, zur Geschichte des Landkreises Landshut; in Verhandlungen des Historischen Vereins für Niederbayern. Landshut `962.

 

Im Falle Deutenkofen folgte man allerdings weitgehend den Vorschriften der Verfassung, wonach die adeligen Hofmarken bzw. Patrimonialgerichte nicht eingeschränkt werden durften. Deutenkofen, das 1808 noch zum Steuerdistrikt Wolfsbach gehört hatte, wurde  dem Wunsche des Grafen Seyboldsdorf entsprechend zu einer selbstständigen Gemeinde erhoben. Blumberg  wurde  allerdings trotz des gräflichen Protestes abgetrennt und Adlkofen angegliedert. Gemeindevorsteher und Bevollmächtigte von Deutenkofen durften bis 1848 ihre Ämter nur annehmen, wenn der Schloßherr mit ihrer  Wahl  einverstanden war.

Für den Weiler Point aber wurde eine unverständliche Regelung gefunden. Die Hausnummer 2 kam zur Gemeinde Deutenkofen, weil das Anwesen seit Jahrhunderten ein Teil der dortigen Hofmark war, während sein Nachbar, der Pointhannerl, der eine freieigene Sölde besaß,  in die Gemeinde Frauenberg eingegliedert wurde. Die Hausnummer 2 kam deshalb schon 1971 zur Gemeinde Adlkofen, der Pointhannerl  erst 1974.

Nachdem die Grundherrschaft und damit das Patrimonialgericht Deutenkofen 1848 aufgehoben worden war, stellten die Deutenkofner am 12.12.1852 den Antrag auf Zusammenschluss mit Adlkofen. Die Gemeindeversammlung von Adlkofen lehnte  dies aber am 20.1.1853 einstimmig ab. Die Begründung dafür geht aus den Akten nicht hervor. Erst 1876 kam es zu einer Verwaltungsgemeinschaft der beiden Kommunen, die freilich nur bis 1899 anhielt.

Die allgemeine Aufhebung der Grundherrschaft in Bayern 1848 hatte auch zur Folge, dass sich die kleine Gemeinde Stallwang, die deckungsgleich war mit dem Gebiet der ehemaligen Hofmark, 1850 der Gemeinde Frauenberg anschloss. Der Graf v. Sandizell, der in Sandizell bei Dachau residierte,  konnte den Wünschen der Bürger - wie sie seit 1848 genannt wurden - nichts mehr entgegensetzen.

Keine Probleme gab es bei der Bildung der Gemeinden Jenkofen, Frauenberg und Dietlskirchen.

Die Schullehrer spielten bei der Entwicklung der kommunalen Selbstverwaltung eine entscheidende Rolle. Sie waren ohnehin selbst Gemeindemitglieder, und ab 1848 Gemeindebürger, zumal sie einen Teil ihres Einkommens aus einer kleinen Landwirtschaft bezogen. Ein Gesetz verpflichtete sie 1818, die schriftlichen Arbeiten der Gemeindeverwaltung zu erledigen. Die Gemeindeschreiberei gehörte wie der Kirchendienst zu ihren Dienstaufgaben, freilich gegen Entlohnung. Jenkofen warb dazu den Lehrer von Hohenegglkofen an. In Deutenkofen dagegen gab es den seltenen Fall, dass der Gemeindevorsteher, bzw. ab 1870 der Bürgermeister Seisenberger, alle Schreibarbeiten gewandt und fehlerfrei selbst erledigen konnte.